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Der Geldwert – die Mogelpackung-Größe

Unzählige Geldscheine und Münzen

In Mathematik in der Schule gehören von Beginn an Größen, also in der Grundschule ab der 1. Klasse, zum Lernstoff. Angefangen wird mit der GrößeGeldwert“ in der 1. Klasse. Darauf wird mit der Größe „Zeitdauer“ ebenfalls in der 1., aber auch in der 2. Klasse fortgefahren. Als Nächstes werden unterschiedliche Längen und Gewichte in der 2. und 3. Klasse thematisiert. Etwas später in der Sekundarstufe I werden die beiden noch anderen Größen aufgegriffen: die Fläche in der 5. und der Rauminhalt/das Volumen in der 6. Klasse. Von diesen sechs zu erlernenden Größen sticht eine heraus – ohne dass das normalerweise überhaupt auffällt und ansatzweise Erwähnung findet: die Größe „Geldwert“.

Physikalische Größen stehen in Bezug zu einer definierten Referenz

Wenn man sich die Größen „Länge“, „Gewicht“ und „Zeitdauer“ genauer anschaut, dann weisen diese allesamt eine Gemeinsamkeit auf: Alle drei Größen bzw. deren Einheiten sind an eine naturgegebene Referenz gebunden. 1 Meter ist über die Lichtgeschwindigkeit definiert; 1 Kilogramm ist über die Planck-Konstante definiert; 1 Sekunde ist über die Schwingungsfrequenz eines Cäsium-Atoms definiert. Dadurch besitzen diese Größen zum einen eine haargenaue Definition und zum anderen eine absolut unveränderbare – invariante – Grundlage. Deshalb kann man diese auch als physikalische Größen bezeichnen.

Die Fläche und der Rauminhalt/das Volumen gehören quasi ebenfalls hierzu, da beides abgeleitete Größen sind. Beide ergeben sich aus der Größe „Länge“. Die Größe „Fläche“ bildet man aus dem Produkt zweier Längen, den Rauminhalt/das Volumen aus dem Produkt dreier Längen.

Die Größe „Geldwert“ beruht auf einer gesellschaftlichen Konvention

Im Gegensatz zu den physikalischen Größen verhält es sich mit der Größe „Geldwert“ fundamental anders. Der Geldwert weist nämlich keine naturgegebene Referenz auf! Die Existenz des Geldwertes bzw. dessen Einheit Euro beruht einzig und allein auf einer gesellschaftlichen, sprich rechtlichen Konvention. Denn der Euro stellt ein gesetzliches Zahlungsmittel dar, wobei dieser durch Staaten und Zentralbanken festgelegt und garantiert ist. Deshalb ist der Geldwert auch alles andere als unveränderbar – da er nicht in Bezug zu einer invarianten Grundlage steht. Rein theoretisch könnte man jederzeit – radikal gedacht – eine neue Währung einführen. Die Einheit ist also prinzipiell austauschbar. Vor der Währungsunion gab es in Deutschland auch die Deutsche Mark und den Pfennig und davor die Reichsmark und den Reichspfennig und davor die Goldmark und den Pfennig …

Der Geldwert weist eine Ähnlichkeit zu Aktien, Credits oder Spielepunkten auf

Unter diesem Gesichtspunkt stellt der Geldwert etwas dar, das auf Augenhöhe mit Aktien, Credits oder Punkten ist. Jede dieser „konventionellen Einheiten“ liegt einer gesellschaftlichen Vereinbarung zugrunde. Aktien repräsentieren Beteiligungen an einem Unternehmen, die innerhalb eines gegebenen Gesellschafts- und Finanzrechts einen Wert repräsentieren; Credits stehen für ein Guthaben, das man nutzen kann, und deren Systemregeln werden durch einen Betreiber festgelegt; Spielepunkten basieren auf Spielregeln und geben Auskunft über die Position innerhalb eines Spiels. Und der Geldwert, der, wie bereits dargelegt, einer gesellschaftlichen Konvention unterliegt – steht für einen ökonomischen Wert, durch den man etwas käuflich erwerben kann. Dieser Wert ist – wie wir alle zur Genüge wissen – keineswegs stabil.

Der Geldwert ist besonders abhängig von Angebot und Nachfrage, durch Inflation sinkt und durch Deflation steigt die Kaufkraft

Der Geldwert hängt ebenso wie Waren und Dienstleistungen von dem grundlegenden Marktgesetz „Angebot und Nachfrage“ ab. Unter einem Geldangebot versteht man, wie viel Geld in einer Volkswirtschaft im Umlauf sich befindet; unter einer Geldnachfrage versteht man, wie viel Geld Haushalte und Unternehmen halten bzw. benötigen möchten. Hieraus kann auf zwei unterschiedliche Weisen eine Diskrepanz entstehen:

1. Das Geldangebot ist größer als die Geldnachfrage

Das im Umlauf befindliche Geld ist höher, als Haushalte und Unternehmen halten bzw. benötigen möchten. Es gibt beispielsweise in einer Volkswirtschaft 100 € und für diesen Geldwert Waren und Dienstleistungen von 100 €. Wenn nun aber die Menge an Geld stark ansteigt und in der gleichen Volkswirtschaft nun 200 € im Umlauf sind und die Waren und die Dienstleistung aber weiterhin bei 100 € liegen, dann ist mehr an Geld bei einer gleichbleibenden Menge an Waren und Dienstleistungen vorhanden. Das kann dazu führen, dass die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen steigt. Nimmt nun gleichzeitig das Angebot nicht zu, dann führt das in der Regel zum Ansteigen der Preise. Das hat zur Folge, dass die Kaufkraft des Geldes bzw. sein realer Wert sinkt, das heißt, dass man für den gleichen Geldbetrag weniger Waren und Dienstleistungen erwerben kann als zuvor.

2. Das Geldangebot ist kleiner als die Geldnachfrage

Das in Umlauf befindliche Geld ist weniger, als Haushalt und Unternehmen halten bzw. verwenden möchten. Es sind beispielsweise in einer Volkswirtschaft 100 € im Umlauf und es gibt für diesen Geldwert Waren und Dienstleistungen von 100 €. Die Haushalte und Dienstleistungen würden aber gerne 200 € halten und zur Verfügung haben. Das Geld ist dadurch relativ knapp und die Ausgaben können zurückgehen. Dadurch kann die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen sinken und die Preise können unter Druck geraten und niedriger werden.

Geldscheine für warme Stube

Zusammenhang des Geldwertes mit Inflation und Deflation

Entweder gibt es zu viel Geld bei gleicher Warenmenge, was zu einer Inflation des Geldwertes führt, oder es gibt zu wenig Geld, was zu einer Geldknappheit führt und zu einer Deflation, und die wirtschaftliche Aktivität wird vermindert.

Da nun aber in vielen Volkswirtschaften normalerweise stets eine Inflation herrscht und keine Deflation, sinkt über die Jahre stetig der Geldwert.

Vor zehn Jahren konnte man beispielsweise hierzulande eine Kugel Eis für 1 € kaufen, heute liegt der Preis für eine Kugel durchschnittlich bei 1,92 € – was ein weiterer signifikanter Beleg für die Relativität des Geldwertes ist. Für eine aussagekräftige Einschätzung zur Inflation reicht der Blick auf eine einzelne Ware aber nicht aus, sondern man muss sich die Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus vor Augen führen.

Geldwert in Bezug zum Goldstandard

Früher war der Geldwert nicht einfach sozusagen frei schwankend, sondern dieser war über die Goldparität an Gold gekoppelt. Das bedeutete, dass eine Währung an einer festgelegten Menge an Gold definiert war. Beispielsweise: 1 Geldeinheit = 0,1 g an Gold; 100 Geldeinheiten = 10 g an Gold usw. Diese Kopplung des Geldwerts an Gold hatte den Sinn, den Geldwert stabiler zu halten und die Geldmenge nicht beliebig zu erhöhen und somit eine Inflation stärker zu begrenzen. Diese frühere Verbindung des Geldwertes zum Goldstandard stellt nur ein weiteres Beispiel für die Relativität des Geldwertes dar!

Diese Relativität zeigt sich hierbei auch bei den Währungen, die es hierzulande gibt und gab: Seit 2002 gibt es bekanntermaßen als Währung den Euro, von 1948–2001 gab es die Deutsche Mark, von 1924–1928 die Reichsmark und von 1873–1923 die Goldmark und davor gab es viele regionale Währungen, wie z. B. den Taler und verschiedene Mark-Währungen.

Geldwert vs. Tauschwert

In Zeiten, in denen der Geldwert stark verfallen war, wie z. B. während der Hyperinflation 1923 (im August 1923 kostete ein Brot ca. 69000 Mark, am 26. September ca. 10,37 Millionen Mark und Ende November am Höhepunkt über 200 Milliarden Mark) und in der Nachkriegszeit 1945–1948, gab es einen regen Tauschhandel. Der Geldwert war während dieser Zeit praktisch wertlos, wodurch ein Tauschwert diesen ersetzte. Es gab einen sogenannten Schwarzmarkt, wo Waren direkt gegen andere Waren getauscht wurden. So wurden beispielsweise Kartoffeln gegen Kleidung getauscht, Brennholz gegen Lebensmittel, Lebensmittel gegen andere Gegenstände usw. Der Geldwert mit seiner relativen Größe – hatte praktisch aufgehört zu existieren.

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